Herzlichen Dank Herrn Peter Knöbber, der diesen Beitrag zusammenstellte!

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Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus

Als bekannt vorausgesetzt werden muß: Ein Jahr 0 existiert nicht in der christlichen Zeit-
rechnung.


Wer das bisher nicht wußte, möge es bitte als unumstößliche Tatsache akzeptieren.
Nachzulesen und nachzuprüfen ist das in vielen einschlägigen Büchern.

Warum gab es das Jahr Null nicht?

1. Dazu muß man fragen, seit wann es die Null überhaupt gibt. Die großen griechischen Mathe-
matiker, wie Thales, Pythagoras, Euklid, Archimedes, Apollonius, kannten sie nicht, weil sie sie
nicht brauchten. Sie beschäftigten sich ausschließlich mit geometrischen Problemen. Unter den
Römern wiederum gab es kaum Mathematiker, und in ihrem Zahlensystem fand sich die Null
ebenfalls nicht. Die römischen Ziffern aber waren noch bis ins späte Mittelalter in Europa die
einzig gebräuchlichen! Wie hätte also jemand im 6. Jahrhundert auf die Idee kommen können,
eine Jahreszählung mit Null zu beginnen? Dazu mehr unter 2.

Die Null ist eine indische Erfindung und kam durch italienisch-arabische Handelsbeziehungen
Anfang des 13. Jahrhunderts nach Europa. Leonardo von Pisa behandelte sie 1202 in seinem
epochemachenden Werk 'Liber abaci', zusammen mit dem genialen Stellenwertsystem, aber es
dauerte noch sehr lange, bis die 'arabischen', eigentlich indischen, Ziffern die römischen ver-
drängten.

2. Der Mann, der sich im 6. Jahrhundert vornahm, die Jahre künftig nach Christi Geburt zu zählen
(statt nach der Gründung Roms oder nach dem Regierungsantritt Diokletians), war der Abt
Dionysius Exiguus. Er brauchte rund fünf Jahre, um anhand vieler Quellen herauszubekommen,
vor wie vielen Jahren Jesus wohl geboren sei. Er kam auf das Jahr 754 'ab urbe condita' (= nach
der Gründung der Stadt [Rom]) und fand dies im Jahre 1283 gleicher Zählung, was dem Jahre 530
nach Christus entspricht.

Angenommen, Dionysius hätte die Null gekannt: er wäre als Gelehrter, dem das klare Denken so-
zusagen 'täglich Brot' war, nie auf den Gedanken gekommen, ein Jahr 0 nach Christi Geburt anzu-
setzen, denn ein Jahr 0 nach einem Ereignis ist Unsinn: unmittelbar nach einem Ereignis beginnt
selbstverständlich das erste, nicht das *nullte* Jahr. Genau so handhabten es im siebten Jahr-
hundert die mathematisch begabten Araber und im achtzehnten Jahrhundert die im kartesischen
Denken geschulten Franzosen mit ihren jeweiligen Kalendern, von denen der islamische immer
noch gilt.

Es gibt also zwei plausible Gründe für das Nichtvorhandensein eines Jahres mit der Ordnungszahl
Null. Die Zählung beginnt demzufolge mit 1.

Ferner: Das 1. Jahrhundert war zu Ende, als der 31. Dezember 100 vergangen war, also nach
einhundert ganzen Jahren
. Ergo: zweitausend Jahre sind dann zu Ende, wenn das zweitausendste
Jahr vollendet ist, also am 31. Dezember 2000. Folglich beginnt das dritte Jahrtausend am
1. Januar 2001.

Auch im täglichen Leben käme wohl niemand auf die Idee, beim Zählen mit Null anzufangen:
ein vierfacher Vater hätte ja nur drei Kinder, wenn er zählte: null, eins, zwei, drei; ein nulltes Kind
gibt es aber nicht. Und wenn jemand erzählt, er habe mit 14 Jahren seine nullte Zigarette ge-
raucht, werden ihn seine Zuhörer bestenfalls für einen Spaßvogel halten.

Einige Denkhilfen:

a. Noch etwas zum Thema Zigaretten: Wenn jemand in seinem bisherigen Leben 2000 Stück
geraucht hat, dann kann er dies erst dann zu Recht behaupten, wenn er die 2000. im Aschen-
becher ausdrückt. Damit ist das zweite Tausend voll, und das dritte beginnt mit der zwei-
tausendersten. Solange er die zweitausendste noch raucht, ist das zweite Tausend eben noch
nicht
voll, es handelt sich beim Rauchen ja um eine Dauer, einen Zeitraum, der erst einmal zu
Ende sein muß, damit man einen neuen beginnen kann.


b. Man darf Punkte (auf einer Skala) nicht mit Räumen (Zwischenräumen) verwechseln oder
gleichsetzen. Eine Zentimeterskala auf einem Lineal beginnt mit dem Punkt Null, der erste Zenti-
meter, also der erste 'Raum', ist aber beim Punkt Eins zu Ende. Mit dem Punkt Eins beginnt der
Raum Zwei, und so weiter. Ein 30-cm-Lineal ist in 30 Räume unterteilt, die zwischen insgesamt
31 Punkten liegen. Das Gleiche gilt für Zeiträume: ein Jahrtausend ist in 1000 Jahre unterteilt,
die zwischen 1001 Punkten liegen. Der Anfangspunkt (Punkt 0) ist der 1.01. des Jahres 1 (ein
Jahr 0 gab es nicht, s. o.!), 0 Uhr; der Endpunkt (Punkt 1000) ist das exakte Ende des Jahres
1000, also der 31.12.1000, 24 Uhr. Genau so verhält es sich logischerweise mit dem 2. Jahrtau-
send, das mithin am 31.12.2000 um 24 Uhr zu Ende ist. Wer die Meinung vertritt, dies sei schon
am 31.12.1999 der Fall, macht sich der Unterschlagung eines ganzen Jahres schuldig
(zur Be-
ruhigung: im StGB nicht vorgesehen).

c. Als 'Gegenargument' wird gern der Kilometerzähler eines Autos angeführt. Das ist insofern
falsch, als die Zählung nach Kilometern anders erfolgt als die Jahreszählung in der Zeitrechnung.
Hat das Auto einen halben Kilometer zurückgelegt, so werden auf dem (Tages-) Kilometerzähler
0,5 km angezeigt, nach eineinhalb Kilometern liest man 1,5 km ab. Das heißt: der erste Kilometer
hat bis 0,9 km die Ordnungszahl 0, der zweite bis 1,9 km die Ordnungszahl 1. Doch erst bei
2,0 km ist man genau zwei Kilometer gefahren.
Anders ist es bei der Jahreszählung. Hier gibt es kein Jahr Null. Ist ein halbes Jahr nach dem Start
der Zeitrechnung (also nach dem 1.01. des Jahres 1, Null Uhr) vergangen, so schreibt man nicht
etwa '0,5', sondern '1. Juli 1'! Eineinhalb Jahre nach Beginn der Zeitrechnung hat man den
1. Juli 2 und nicht den Termin *1,5*! Würde jemand behaupten wollen, er sei *1971,5* (statt
'am 1.07.1972') geboren? Wohl kaum.
Der Kilometerzähler zeigt erst nach einem ganzen Kilometer die 1 an (vorher 0,...), während man
bei der Jahreszählung sofort mit der Zahl 1 beginnt. Entsprechend schreibt man, wenn das erste
Jahr vergangen ist, vom ersten Tag des zweiten Jahres an eine 2. Somit ergibt sich: Schon am
1.01. des tausendsten Jahres schreibt man die Jahreszahl 1000, doch erst am 31.12.1000, um
24 Uhr, sind tausend Jahre verflossen, und am 1.01.1001 beginnt das zweite Jahrtausend.
Am 31. Dezember 1999 sind seit Beginn der Zeitrechnung 1999 volle Jahre vergangen (wer bis
jetzt aufmerksam gelesen und mitgedacht hat, weiß das spätestens jetzt ohnehin!). Aber sofort
am 1. Januar darauf schreibt man schon das Jahr 2000, obwohl es soeben erst begonnen hat.
Und erst wenn das Jahr vollständig vergangen ist, sind 2000 Jahre seit Beginn der Zeitrechnung
abgelaufen. Genau dies ist am 31. Dezember 2000, also am Jahresende, der Fall. Somit beginnt
das erste Jahr des dritten Jahrtausends am 1. Januar 2001
- was zu beweisen war.
(Quelle: "Himmelsjahr 1998", S. 204ff.)

Astronomisch Interessierte werden einen bestimmten Hinweis vermissen, er wird hiermit nach-
geliefert: Die christliche Jahreszählung, und damit auch die der Historiker, kennt, wie mehrmals
betont, kein Jahr Null. Für Astronomen, die mitunter in die vorchristliche Zeit zurückrechnen
müssen, ist dies jedoch aus rechnerischen Gründen unpraktisch. Sie haben daher das Jahr
1 v. Chr. in das Jahr 0 umbenannt (nicht etwa ein Jahr eingeschoben!) und alle davor liegenden
Jahre mit negativen Zahlen bezeichnet, und zwar ohne den Hinweis 'vor Christus', weil sich der
nunmehr erübrigt. Historisch 2 v. Chr. heißt astronomisch 'minus 1', 44 v. Chr., das Jahr der
Ermordung Caesars, folglich minus 43. Damit entfällt eine Fehlerquelle bei Berechnungen, und
die Zeitskala ist mit der Thermometer- und jeder anderen Zahlenskala vergleichbar, wo ja auch
eine Null zwischen +1 und -1 steht. (Fischer-Lexikon Astronomie, Stichwort 'Chronologie')

Wir wissen heute, daß Jesus weder im Jahre 1 noch ein Jahr zuvor geboren ist, sondern (der
Artikel im 'Spiegel' vom 24.05.1999 soll hier beiseite gelassen werden) wahrscheinlich im Jahre -6,
was 7 v. Chr. entspricht. Wir dürfen dem Abt Dionysius nicht verübeln, daß ihm dieser Fehler
unterlaufen ist; es ist ja, und vor allem war es damals, keine Kleinigkeit, nach mehr als 500 Jahren
das Geburtsjahr eines Kindes (vom genauen Datum ganz zu schweigen) zu ermitteln, das sicher
nicht 'standesamtlich' erfaßt wurde. Dionysius standen auch nicht die babylonischen Quellen zur
Verfügung, die erst in neuerer oder neuester Zeit entziffert werden konnten und sehr genaue
Hinweise auf die Ereignisse geben, die die Große Konjunktion (mehrfache nahe Begegnung, von
der Erde aus gesehen) von Jupiter und Saturn begleiteten. Sie fand im Jahre 7 v. Chr. statt und
wird heute, in Verbindung mit dem Zodiakallicht, zweifelsfrei mit dem 'Stern von Bethlehem' iden-
tifiziert (überzeugende fachliche Darstellung bei K. Ferrari d'Occhieppo, Der Stern von Bethlehem ...; Ullstein-Tb 23550).


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