mathematische fragen und antworten answers
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Warum heißt die Keplersche Fassregel, auch Simpsonregel genannt, eben so?
Johannes Kepler (1571-1630) verfasste seine bekannteste mathematische
Schrift "Stereometria Doliorum" 1615, in der er die Fassregel beschreibt,
die der numerischen Integration dient. Deshalb der Name "Keplersche Fassregel".
Thomas Simpson (1710-1761) schrieb viele mathematische Lehrbücher, so verwendete er auch diese Regel,
welche allerdings schon vorher bekannt gewesen war. Ob Kepler die Fassregel als erster gefunden hat?
[10/1999]
Kepler berichtet 1614, wie er auf seine Betrachtungen verfiel:
"Als ich im November des letzten Jahres meine Wiedervermählung feierte, zu einer Zeit, als an den
Donauufern bei Linz die aus Niederösterreich herbeigeführten Weinfässer nach einer reichlichen Lese
aufgestapelt und zu einem annehmbaren Preis zu kaufen waren, da war es die Pflicht des neuen Gatten und
sorgenden Familienvaters, für sein Haus den nötigen Trank zu besorgen. Als einige Fässer eingekellert
waren, kam am vierten Tag der Verkäufer mit einer Messrute, mit der alle Fässer, ohne Rücksicht auf ihre
Form, ohne jede weitere Überlegung oder Rechnung, ihrem Inhalt nach bestimmte. Die Visierrute wurde mit
ihrer metallenen Spitze durch das Spundloch quer bis zu den Rändern der beiden Böden eingeführt, und als
die beiden Längen gleich gefunden worden waren, ergab die Marke am Spundloch die Zahl der Eimer im
Fass. Ich wunderte mich, dass die Querlinie durch die Fasshälfte ein Maß für den Inhalt abgeben könne und
bezweifelte die Richtigkeit der Methode, denn ein sehr niedriges Fass mit etwas breiteren Böden und daher
sehr viel kleinerem Inhalt könnte dieselbe Visierlänge besitzen. Es schien mir als Neuvermähltem nicht
unzweckmäßig, ein neues Prinzip mathematischer Arbeiten, nämlich die Genauigkeit dieser bequemen und
allgemein wichtigen Bestimmung nach geometrischen Grundsätzen zu erforschen und die etwa vorhandenen
Gesetze ans Licht zu bringen."
Somit diente Kepler doppelt, einmal seiner jungen Frau und zum anderen der Mathematik.
[Literatur: Formen und Formeln von Prof. Dr. Franz von Krbek, TEUBNER, Leipzig, 1967]
„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen,
wird nie alt werden.“ Franz Kafka (1883-1924)
1996-2012 PieCeS
Ergibt die Funktion y = 7 . 10n + 1 für jede natürliche Zahl n stets eine Primzahl?
Leider nein.
Für n = 1 erhält man 71 --> Primzahl.
Für n = 2 erhält man 701 --> Primzahl.
Für n = 3 erhält man 7001 --> Primzahl.
Für n = 4 erhält man 70001 --> Primzahl.
Für n = 5 erhält man 700001 --> Primzahl.
Für n = 6 erhält man 7000001 --> keine Primzahl, weil 197 . 35533 = 7000001 ist. [10/1999]
Warum heißen die "Hypotenuse" und die "Katheten" in einem rechtwinkligen Dreieck eben so?
Ist dies Zufall?
"Hypotenuse" kommt aus dem Griechischen und leitet sich von 'hypo' = unter/gegenüber (dem rechten
Winkel) und von 'teinein' = spannen ab und zwar bedeutet dies soviel wie darunter gespannte Linie, die
'Grundlegende', dass heißt dem rechten Winkel gegenüberliegende Linie oder Seite in einem rechtwinkligen
Dreieck. "Kathete" kommt ebenfalls aus dem Griechischen und leitet sich von 'kata' (auch 'kath') = herab und
von 'hien ai' = (nach)lassen ab und zwar bedeutet dies die dem rechten Winkel anliegende Seite eines
Dreiecks, die von der Spitze auf die Hypotenuse 'herabgelassen' wird. Da die Griechen viel Mathematik
betrieben, sind die Bezeichnungen sicher kein Zufall, sondern der Begriffsentstehung liegen Überlieferungen
zugrunde. Auch in vielen anderen Bereichen, die mit Mathematik und mathematischen Verfahren zu tun
haben, finden sich in den Namen der Begriffe die Spuren von Griechen oder Römern. Zum Beispiel bei der
Kreditberechnung. Ein wichtiger Begriff ist hier der Zins. Das Wort leitet sich aus dem römischen „census“ ab,
was so viel wie Vermögensschätzung bedeutet. Oder auch das Wort Kredit selbst. Es geht zunächst auf das
französische Wort crédit und den italienischen Begriff credito zurück, die beide ihre Wurzel im lateinischen
credere haben, was so viel wie glauben oder vertrauen bedeutet. [01/2000]
In Deutschland und in den USA gibt es unterschiedliche Zählweisen:
Deutschland: USA:
1 Million = 1 . 106 1 Million = 1 . 106
1 Milliarde = 1 . 109 1 Billion = 1 . 109
1 Billion = 1 . 1012 1 Trillion = 1 . 1012
1 Billiarde = 1 . 1015 ...
Welches System ist unlogisch oder eigentlich falsch?
Warum verwenden wir unterschiedliche Systeme?
Wann haben sie sich auseinander entwickelt? Welches ist das ursprüngliche?
[Aus dem wunderbaren Buch von CONWAY/GUY "Zahlenzauber", Birkhäuser 1997, S. 18f.]
"Die Italiener fügten an mille (lateinisch "tausend") ein Vergrößerungssuffix und erhielten millione ("große
Tausend"), woraus dann milione wurde. Hiervon leitet sich unser Wort "Million" ab.
Um 1484 prägte N. Chuquet die Wörter Billion, Trillion, ..., Nonillion, die 1520 in einem Buch von
Emil de la Roche auch im Druck erschienen. Diese Arithmetiker setzten die Präfixe b, tr, quadr, quint, sext,
sept, oct und non vor "illion" und bezeichneten damit die 2., 3., 4., 5., 6., 7., 8. und 9. Potenz einer Million.
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die obigen Ausdrücke dann aber von anderen französischen
Arithmetikern zur Bezeichnung der 3., 4., 5., 6., 7., 8., 9. und 10. Potenz von Tausend verwendet. Obwohl dies
von den größten Lexikographen als "irrig" (Littré) und als "eine völlige Perversion der ursprünglichen
Nomenklatur von Chuquet und de la Roche" (Murray) bezeichnet wurde, ist der neuere Sprachgebrauch heute
in den USA der Standard. Der ältere Sprachgebrauch ist dagegen in Großbritannien erhalten geblieben und
stellt auf dem europäischen Kontinent immer noch den Standard dar (wobei aber die Franzosen heute "llon"
anstelle von "llion" schreiben)." --> Unser System ist das Ursprüngliche! [03/2000]