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„Alles hat Formen, weil es Zahlen in sich hat.
Nimm ihnen diese, und sie sind nichts mehr.“

Augustinus (354-430)

Seifenhäute [2002]

Was haben die mit Mathematik zu tun?

Das mathematische Gebiet beschäftigt sich mit  Minimalflächen. Zum Beispiel ist die Kugelform eine allen

bekannte Minimalfläche bei maximalem Rauminhalt. Die Seifenhäute bilden sich stets so, dass ihre

Gesamtfläche so klein wie möglich wird. Dies ist der Grund für die Stabilität, die Schönheit und die

unwiderstehliche Faszination der Seifenhäute. Wenn man Architekturmodelle in eine Seifenlösung taucht

entstehen schillernde Seifenhautdächer und "-gebäude". Die Formen resultieren hier aus dem nach einem

Gleichgewicht strebenden Kräftespiel zwischen Seifenfilm und Randbedingungen (Drahtverlauf im Modell).

Sie stellen unter den gegebenen Voraussetzungen die jeweils kleinstmögliche Ausdehnung der Seifenhaut

und damit die stabilste architektonische Lösung mit minimalem Materialeinsatz dar. Es ist dies ein Effekt, der

bei der Entwicklung von realen architektonischen Formen seine Anwendung findet. So wurde etwa das Dach

des Münchener Olympiastadions mit Hilfe von Seifenhautmodellen entwickelt.


mathematik und architektur mathematics and architecture

„Die Kunst muss schön und wahr und gut sein.
Die Kunst muss zur Einfachheit zurückfinden
in dieser verkomplizierten Welt.“

Friedensreich Hundertwasser (1928-2000)

Es ist eines der schönsten und elegantesten Werke
der Architektur des 20. Jahrhunderts. Stabil und
leicht, beschwingt und einladend, schützend und
anziehend gleichermaßen. Ein echter Geniestreich!
Das zeltartige Dach des Olympiastadions in Mün-
chen war und ist ein Symbol für die olympischen
Spiele 1972 in München.

Warum ist dieses Dach eigentlich so schön?
[A. Beutelspacher: Mathematik für die Westentasche]

Würfel, Tetraeder, Oktaeder, Spirale. Werden diese Figuren als Drahtgebilde in

eine Seifenlauge getaucht, so bilden sich jeweils charakteristische

Seifenhautsysteme mit kleinstmöglicher Oberfläche. Das Kräftespiel der

Seifenhäute erfüllt die Drahtfiguren mit eigenständigen Gebilden. Es entstehen

Strukturen, die faszinierend und überraschend zugleich sind. Wenn man glaubt,

dass sich die Seifenhaut beim Würfel so bildet, dass die sechs Seiten

überspannt werden, dann sollte man das Experiment unbedingt selbst einmal

machen. Dies stimmt nämlich nicht. Es bildet sich etwas viel Schöneres, viel

Interessanteres und viel Stabileres. Zum Beispiel entsteht in der Mitte des Würfels

ein kleiner Würfel, der nur aus Seifenhäuten besteht, und dieser ist wiederum

durch Seifenhäute mit den Kanten des äußeren Würfels verbunden. Beim

Tetraeder bildet sich die Seifenhaut oft so, dass im Zentrum ein Punkt entsteht,

der mit den Kanten des Tetraeders durch Seifenhäute verbunden ist.

[www.math.de]


Für Architekten sind Projekte wie das Dach des Olympiastadions echte Highlights. Nur die besten ihrer Zunft

werden jemals in der Situation sein, ein solches Großprojekt zu entwickeln, zu planen und schließlich

realisiert zu sehen. Gerade unter Architekten herrscht dabei ein großer Konkurrenzkampf, und nicht immer

sind es diejenigen, die die schönsten und interessantesten Entwürfe entwickeln, die auch die besten Stellen

angeboten bekommen. In dieser Branche macht oft derjenige Karriere, der gute Kontakte hat.

Stellenangebote oder Stellenbörsen sind nur der erste Schritt in eine erfolgreiche Karriere.

Manchmal aber geht es bei Stellenausschreibungen im Architekturbereich gar nicht um sehr gute

Anstellungen, sondern um Jobs mit langen Arbeitszeiten und niedriger Vergütung. Und es gibt viele junge

Architekten, die sich um die wenigen offen ausgeschriebenen Stellen bewerben. Darum lohnt es sich,

genau die Ausschreibungstexte zu studieren. Aus ihnen kann man häufig an den Formulierungen schon

ablesen, um was für eine Aufgabe es sich handeln wird, und sich dann entscheiden, ob man sich darauf

überhaupt bewerben möchte.

Architektur ist hauptsächlich für Menschen gedacht. Bei einem Stadtrundgang kann man sich die Architektur

ansehen, die aus verschiedenen Epochen kommt. Interessant ist es immer, wenn man sich selbst ein paar

Gedanken macht, warum ein Architekt etwas so umgesetzt hat.

„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen,
wird nie alt werden.“   Franz Kafka (1883-1924)

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Zirkumferenz 2004 im Kloster Waldsassen (Aula)